Vertreterstimmen

Brigitte Fleischer (Vertreterin im Wohngebiet Jena-Ost)

VERTRETER FÜR EINE STARKE GENOSSENSCHAFT (siehe WIR 1/2019, S. 9)

 

Nur über Dinge zu klagen, die nicht zu ändern seien, ändert ganz und gar nichts. Deshalb, und weil ich mich gern für die Gemeinschaft engagiere, habe ich damals gar nicht lang überlegen müssen, um mich als Vertreterin für mein Wohngebiet in der Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ eG. aufzustellen.

 

Seit 30 Jahren engagiere ich mich für die Mitglieder in Jena-Ost. Insgesamt 47 Jahre wohne ich hier. Und das sehr gerne. Manche Nachbarn kenne ich bereits 47 Jahre und auch fast alle Mitglieder, die ich vertrete, sind mir bekannt. Zuhause sind für mich nicht nur meine vier Wände, in denen ich wohne. Zuhause ist für mich für mich vielmehr: das Wohnhaus, in dem ich wohne, es sind die Nachbarn, mit denen ich Tür an Tür wohne, denen ich auf der Straße und beim Einkaufen begegne, Nachbarn, die ich schon lange kenne, Gesichter, die ich flüchtig kenne und mit denen ich trotzdem einen freundlichen Tagesgruß austausche, weil auch sie hier zuhause sind . Zuhause ist für mich die Apotheke, der Einkaufsladen um die Ecke und die Bank im Wohngebiet, auf der ich in der Sonne sitze kann. Zuhause ist das was mir vertraut und was ich gestalten kann.

 

Je nach Alter ändern sich die Wohnbedürfnisse. Junge Familien mit Kindern wünschen sich zum Beispiel den Spielplatz in der Nähe, Schule und Kindergarten am liebsten gleich um die Ecke. Für ältere Menschen sind naheliegende Einkaufsmöglichkeiten, die Apotheke sowie Gesundheitseinrichtungen angenehm, aber viel wichtiger, für ein erfülltes Seniorenleben und selbstbestimmtes Wohnen im Alter, ist die Gemeinschaft. In meiner Funktion als Vertreterin komme ich mit den älteren Mitgliedern ins Gespräch, die ihr Berufsleben hinter sich haben, dadurch oft viel Zeit Zuhause verbringen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so mobil sind wie früher. Ihnen ist es wichtig, dass sie einen Ansprechpartner in der Genossenschaft vor Ort in ihrem Wohngebiet haben.

 

Auch unsere jungen Mitglieder schätzen es, ihren Vertreter in der Nachbarschaft zu haben. Kleine oder große Kinder und mitten im Berufsleben stehend, da bleibt manchmal nicht viel Zeit und Energie, um sich umfassend mit genossenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Umso entspannter ist es zu wissen, dass ein Vertreter, dem das Wohl aller Genossenschaftler im Wohngebiet wichtig ist, ihre Interessen vertritt. Genau das habe ich in den letzten Jahren versucht umzusetzen. Die positive Resonanz vieler Mitglieder gibt mir immer wieder aufs Neue viele Kraft, schenkt mir Energie und gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden und sinnvoll für die Gemeinschaft aktiv zu sein. Auch im Austausch mit der Genossenschaft und meinen Vertreterkollegen fühle ich mich ernstgenommen. Bei der WG „Carl Zeiss“ eG. sind die Vertreter keine Alibi-Aktivisten, sondern Menschen, die Interessensgruppen vertreten, denen man auf Augenhöhe begegnet und deren Themen diskutiert werden und mit denen um die optimale Lösung für die genossenschaftliche Gemeinschaft gerungen wird.

 

Mittlerweile bin ich jedoch in einem Alter, in dem ich mir Gedanken mache und die Frage stelle: Wer und was kommt nach mir? Ich wünsche mir, dass sich mehr junge Mitglieder verantwortlich fühlen, das Wohnen und das Miteinander zu gestalten. Liebe Mitglieder jüngeren Lebensalters! Sie haben sicher Ihre Vorstellungen, wie Sie als älterer Mensch bei der Genossenschaft wohnen möchten. Jetzt ist die Gelegenheit, Ihre Vorstellungen einzubringen, damit Sie Ihre eigenen Wohnwünsche und die Ihrer Nachbarn in die Genossenschaft einbringen können. Natürlich haben Sie als Vertreter eine Verantwortung, aber Sie haben gleichzeitig Gelegenheit, sehr viel zu bewirken und die Genossenschaft für die Zukunft stark zu machen.